Zusammenarbeit Twenter Firmen IMS, VIRO und Focal im SLIM2-Projekt

Schlaue Hände, Hirne und Augen für die Industrie der Zukunft

Die Twenter Unternehmen IMS, VIRO und Focal entwickeln im SLIM2-Projekt neue Produktionsmittel für die ‘smart Industry’. Unternehmen müssen heutzutage flexibel auf die schnell wechselnde Nachfrage nach neuen Produkten reagieren können. Dafür brauchen sie flexible Maschinen, mit denen sie die Produkte zusammensetzen können (“Hände”), Software, um den vollständigen Produktionsprozess zu steuern (“Hirne”) und Vision Systeme, mit denen sie die Qualität überwachen (“Augen”). Ziel des SLIM2 ist die Erstellung einer neuen flexiblen Produktionsplattform (IMS) mit innovativen Systemen für integrale Prozesssteuerung (VIRO) und automatisierter visueller Qualitätskontrolle (Focal). Die drei Twenter Unternehmen sind dann noch besser auf die Industrie der Zukunft vorbereitet.

Die Zeit der traditionellen Massenproduktion liegt hinter uns, denn die Nachfrage der Kunden wechselt immer schneller und wird immer individueller. Man denke an die Autos, die heutzutage in unzähligen Varianten gebaut werden oder an die Smartphone-Modelle, die immer schneller auf den Markt gebracht werden. Im Moment ist es Trend, auf einer einzigen Produktionslinie immer wieder neue Produkte herzustellen, in kleineren Serien oder sogar Maßarbeit. Unternehmen möchten schnell reagieren können, die Investitionen in neue Linien einschränken und die Produktionskosten pro Produkteinheit niedrig halten.

Dies alles erfordert flexibles Produzieren: Maschinen müssen für verschiedene Produkte geeignet sein und schnell auf ein neues Produkt umschalten können. Auch müssen sie in Produktionslinien einfach mit anderen Maschinen in wechselnden Aufstellungen zusammenarbeiten können. Die Steuerung des Ganzen ist um einiges komplexer als vor der Zeit der konventionellen Massenproduktion. Schließlich muss die Qualitätsüberwachung mit Vision (Kameras und andere optische Hilfsmittel) auf immer wieder variierende Produkte vorbereitet sein, die unter verschiedenen Umständen kontrolliert werden müssen. Diese neue Herstellungsform passt zur Rückkehr von Produktion nach Europa, die nach Asien verlagert war.

Impuls für die Hightech Herstellungsindustrie

In den Niederlanden beschäftigen viele Unternehmen sich bereits aktiv mit ‘smart Industry’ und im letzten Herbst hat IMS (Integrated Mechanization Solutions B.V.), der Entwickler aus Almelo und Hersteller automatischer Produktionssysteme, die Initiative zu folgendem schlauen Schritt ergriffen. Im Twenter ‘smart Industry’ Projekt SLIM2 begann IMS aus Almelo die Zusammenarbeit mit VIRO aus Hengelo, Focal Vision & Optics aus Enschede und der Universität Twente. Gemeinsam entwickeln sie eine neue flexible Produktionsplattform mit innovativen Systemen für integrale Prozesssteuerung und Qualitätskontrolle. Das ultimative Ziel ist die Entwicklung einer neuen Generation Produktionsmittel für eine ‘Smart Manufacturing Platform’.

Das Twenter Projekt soll der Wettbewerbskraft unserer Hightech Industrie einen neuen Impuls geben. Dieses Bestreben hat die Unterstützung der Behörden, die gemeinsam in schlaue und nachhaltige Innovationen in den Ostniederlanden investieren. Anfang dieses Jahres haben die EU, der Staat und die Provinzen Overijssel und Gelderland mehr als zehn Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung für 13 Innovationsprojekte, u.a. SLIM2, zur Verfügung gestellt.

Bessere Konkurrenzposition

Das Innovationsprojekt SLIM2 läuft bis Ende 2017 und soll den Projektpartnern die Mittel zur besseren Bedienung der Kunden verschaffen: eine generische, weit anwendbare Architektur und ein modulares Toolkit mit flexibel einsetzbaren Maschinenteilen, Softwareblöcken oder Vision Komponenten.

Damit helfen sie ihren Kunden, deren Position auf dem Markt zu verbessern und verstärken gleichzeitig ihre eigene Konkurrenzposition.

IMS hat in mehr als 15 Existenzjahren Produktionslinien für unterschiedliche (kleine) Produkte gebaut. In SLIM2 setzt IMS diese Erfahrungen in eine neue Architektur für eine flexible Produktionsplattform um. Diese Plattform wird die Grundlage bilden, auf der IMS schnell kundenspezifische Produktionsmaschinen entwickeln kann. Ton Pothoven, allgemeiner Geschäftsführer von IMS: ” Es gibt Nachfrage nach flexiblen, skalierbaren Produktionsplattformen, insbesondere von Unternehmen, die die Produktion in Europa in der Nähe ihrer Innovationszentren behalten möchten. Diese Firmen möchten das Risiko einer großen Investition in einer ‘dedicated’ Maschine für ein Produkt, dessen Lebenszyklus noch unvorhersehbar ist, umgehen. Deswegen entwickeln wir jetzt eine Plattform, die nicht nur flexibel und neu konfigurierbar ist, wie vorhandene Maschinen, sondern auch skalierbar und programmierbar sein wird. Die Investition wäscht also mit dem Niveau der Automatisierung mit. ”

Kunden stellen VIRO viele Fragen über flexibles Produzieren im Rahmen der ‘smart Industry’ Entwicklungen. Um schneller auf all diese Fragen reagieren zu können, möchte VIRO über eine generische Architektur für die Steuerung flexibler Produktionslinien verfügen. Jacob Vlasma, Niederlassungsleiter von VIRO in Hengelo: “Die Systemarchitektur wird grundsätzlich so erstellt, dass mit relativ wenig Aufwand Anpassungen für spezifische Automatisierungslösungen umzusetzen sind. Wir werden sie einsetzen, um kosteneffizient, mit kurzer Durchlaufzeit und garantierter Qualität, Projekte für Kunden auszuführen. Mit dem Toolkit, das wir entwickeln, erzielen wir ‘smart Industry’ Anwendungen mit einem Aufwand, der 10-30% niedriger liegt, als dies ohne das Toolkit der Fall wäre. Auf diese Art und Weise möchten wir die Konkurrenzposition der Kette – der Maschinenbauer als Kunde und wir als Dienstleister – verstärken.”

Focal Vision & Optics wird ein ‘smart Vision’ Konzept entwickeln, dass eine Vision Architektur und Basiselemente für ein Toolkit enthält. Focal Geschäftsführer Gerard van den Eijkel: “Unser Ansatz ist es, von spezifischer Programmatur zu konfigurierbaren Modulen zu kommen. Damit können wir schneller, besser und günstiger neue ‘smart Industry’ Visionsanwendung erzielen. Voraussichtlich sparen wir damit 50% der Entwicklungszeit für kundenspezifische Applikationen ein.”

Projektpartner

IMS in Almelo, Teil der WWINN Group (90 Mitarbeiter), entwickelt und baut Produktionssysteme für die semi- und hochautomatisierte Produktion von überwiegend kleinen, zusammengesetzten Produkten. Man denke an Komponenten für Konsumentenelektronik, wie Smartphones und medizinische Apparaturen. IMS liefert diese Produktionssysteme an Kunden in der ganzen Welt.

VIRO ist ein internationales Ingenieurbüro, spezialisiert auf Engineering und Projektmanagement, mit 600 Mitarbeitern und Hauptgeschäftsstelle in Hengelo (Ov). Bei Maschinenbau, Produkt Engineering und Industriellen Projekten verhilft VIRO seinen Kunden über die ganze Linie zu einer besseren Leistung, von der Idee über das Engineering bis hin zur Produktion und Inbetriebnahme. Das Familienunternehmen des Eigentümers Johan Visser ist an Projekten weltweit beteiligt und hat Niederlassungen in den Niederlanden, Deutschland und Österreich. Im letzten Jahr wurde VIRO um die Abteilung Software & Control erweitert, die avancierte Software, System Engineering und schlaue Konzepte für die Systemarchitektur entwickelt.

Focal Vision & Optics in Enschede (23 Mitarbeiter) entwickelt und erstellt inline Präzisionskontrollen und optische Messsysteme mit den Schwerpunktbereichen industrielle Präzisionskontrollen, medizinische optische Systeme und Hightech optische Systeme.
Focal ist auf Vision und Optics spezialisiert, wobei sowohl schlüsselfertige als auch consultancy Projekte ausgeführt werden. Mit industriellen Vision Lösungen kann nahezu nicht nur jedes willkürliche Produkt aus Metall, Stoff, Glas, Plastik, Gummi, sondern auch organische Materialien in einem Produktions- oder Kontrollprozess einer 100%-igen Qualitätsmessung unterzogen werden. Anhand der Produktmerkmale und Qualitätskriterien entwerfen die Experten ein automatisches Inspektionssystem, basierend auf Maschine Vision Technologie.

Die Universität Twente (UT) ist mittels ihres Untersuchungsinstituts CTIT (Informations- und Kommunikationstechnologie) als Wissenspartner am SLIM2-Projekt beteiligt. CTIT beteiligt sich an der Entwicklung der Systemarchitektur und der Steuerungssoftware.

Die drei industriellen Projektpartner kennen sich bereits länger und haben jeder auf seine eigene Weise Verbindungen mit der UT. VIRO führt viel mechanisches Engineering für IMS und Focal aus und unterstützte IMS bereits früher mit Vision Lösungen für eine Montagelinie. Mit dem SLIM2-Projekt bringen die Partner ihre Zusammenarbeit auf eine höhere Ebene.